Google+ Sue Timeless: Rezension Vollendet, Neal Shusterman
Mittwoch, 10. April 2013

Rezension Vollendet, Neal Shusterman

Dieses Buch musste ich ersteinmal sacken lassen... Es hat mich aufgewühlt und zum Nachdenken angeregt, mich gleichzeitig traurig und wütend gemacht, mich aber durchgehend absolut gefesselt!

Aber worum gehts überhaupt?



Vollendet, Neal Shusterman

Sauerländer Verlag

Gebundene Ausgabe: 432 Seiten

ISBN-10: 3411809922

€16,99






Kurzbeschreibung:

Der 16-jährige Connor hat ständig Ärger. Risa lebt in einem überfüllten Waisenhaus. Lev ist das wohlbehütete Kind strenggläubiger Eltern. So unterschiedlich die drei auch sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind auf der Flucht. Vor einem Staat, in dem Eltern ihre Kinder im Alter von 13 bis 18 Jahren umwandeln lassen können. Die Umwandlung ist schmerzfrei. Jeder Teil des Körpers lebt als Organspende in einem anderen Organismus weiter. Aber wenn jeder Teil von dir am Leben ist, nur eben in jemand anderem ... lebst du dann, oder bist du tot?


Meine Meinung:

Schon als ich den Klappentext von Vollendet gelesen habe, bekam ich Gänsehaut und wusste: Dieses Buch MUSST du lesen!
"Organspende" ist für mich persönlich eh schon ein Thema, dass unglaublich viele Fragen aufwirft und ich gestehe für mich persönlich würde es nicht in Frage kommen, genau aus den Gründen, die auch im Buch thematisiert werden. Wer kann wissen, wo unser Bewusstsein, oder unsere Seele sitzt? Leben wir in dem fremden Körper weiter, oder wird einfach nur ein noch funktionierendes Organ verpflanzt?

Neal Shusterman schreibt seinen Roman abwechselnd aus der Sicht der drei Hauptprotagonisten Connor, Risa und Lev. Die Jugendlichen könnten unterschiedlicher nicht sein, aber ein harter Schicksalsschlag macht sie zu Verbündeten und auf grausame Weise zu Flüchtigen.

Connor fällt immer wieder durch Schlägereien und schlechtes Benehmen auf und seine Eltern unterschreiben seine "Umwandlung". Bevor er jedoch von den JuPos (der Jugenpolizei) abgeholt werden und in ein so genanntes "Ernte-Camp"  gebracht werden kann, beschließt er zu fliehen. Bei seiner Flucht lernt er Risa kennen, die ihr bisheriges Leben als Mündel des Staates im Waisenhaus verbracht hat. Obwohl sie eine talentierte Klaviespielerin ist und sich niemals etwas zu schulden kommen lassen hat, wird sie ausgewählt und soll ebenfalls umgewandelt werden. Das Waisenhaus braucht Platz für jüngere Kinder und Risa ist entsetzt, dass sie trotz ihres gutes Verhaltens einfach so verstoßen wird. 
Lev hingegen wurde in dem Glauben erzogen, dass er etwas besonderes ist. Sein Leben lang hat man ihn darauf vorbereitet, dass er ein "Zehntopfer" ist. Als zehntes Kind der Familie, opfern seine Eltern ihn freiwillig und er sieht es als Privileg an "vollendet" zu werden.

Für mich war diese düstere Zukunftsvision teilweise sehr erschreckend und beinahe beängstigend, vielleicht, weil sie gar nicht so weit hergeholt klingt. Nach dem "Heartland-Krieg", einem Krieg zwischen Abtreibungsgegnern und Abtreibungs-befürwortern wir die "Charta des Lebens" unterschrieben. Darin heißt es:

Nach der Charta des Lebens ist das menschliche Leben von der Empfängnis bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Kind dreizehn Jahre alt wird, unantastbar.
Im Alter zwischen dreizehn und achtzehn Jahren können Eltern ein Kind rückwirkend "abtreiben"...
 ...unter der Bedingung, dass das Leben des Kindes "streng genommen" nicht endet.
 Der Vorgang, mit dem das Leben eines Kindes abgeschlossen wird, das Kind aber dennoch am Leben bleibt, wird Umwandlung genannt. 

Beim Lesen habe ich mich ständig gefragt, was in Eltern vorgehen muss, dass sie bereit sind ein Papier zu unterschreiben das dem Staat die Erlaubnis erteilt, ihr Kind in seine Einzelteile zu zerlegen und in andere Menschen verpflanzen!
Das Organtransplantationen wichtig sind und Leben retten können, steht außer Frage, aber wie weit darf man dafür gehen? Ist es humaner einen Jugendlichen umzuwandeln, damit ein anderer Mensch keine Prothese braucht, sondern eine "neue" Hand bekommt? 

Vollendet ist wirklich ein etwas anderes Buch, das man einfach nicht aus der Hand legen kann. Connor, Risa und auch Lev sind mir beim Lesen ans Herz gewachsen und ich habe bei einigen unerwarteten Wendungen der Geschichte mit gefiebert und mit gelitten.
Ich kann dieses Buch wirklich nur empfehlen! Es ist wundervoll geschrieben, mitreißend und auf absurde Weise faszinierend!  
     


Kommentare:

  1. ...ich finde ja, dass das Buch leider zu unterbewertet wird. Ich fand die Geschichte klasse und zum Nachdenken anregend. Ein Buch, das unter die Haut geht...

    LG

    Kay

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  2. P.s. Schöne Rezension, mit der du deine Gefühle beim Lesen miterleben lässt...!

    LG

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    1. Hallo Kay,

      freut mich, dass dir die Rezi gefällt!
      Das Buch ist wirklich grandios und sollte eigentlich in jedem Bücherregal zu finden sein ;)
      Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, wobei ich sagen muss, dass man das Buch auch gut so hätte stehen lassen können...

      LG Sue

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